Victor Harper

Katzen: Einzelhaltung oder Gruppenhaltung?

Katzen: Einzelhaltung oder Gruppenhaltung?

Victor Harper Die Mehrkatzenhaltung hat eine gewisse Eigendynamik, da länger überlegt wird, zu einer Einzelkatze eine Partnerkatze zu gesellen, als die Aufnahme einer vierten oder fünften Katze. Die Haltung von vielen Katzen auf einem beschränkten Raum ist für die Tiere jedoch eine kaum erträgliche Belastung. Sie sind fast ununterbrochen in Abwehrstimmung, und größere Kämpfe unterbleiben nur, wenn die Aggression ständig in leichter Form abreagiert wird. Es ist ein Dauerstress, der keiner Katze zugemutet werden sollte.

Zwischen erwachsenen, auf engem Raum gehaltenen Katzen gibt es fast immer eine Rangordnung. Eine neu hinzukommende Katze muss folgende Phasen durchlaufen, bis sie von den alteingesessenen Tieren geduldet und akzeptiert wird:

– Ablehnungsphase
– Duldungsphase
– Erkundungsphase
– Phase des Zusammenfindens
– Integrationsphase

Wenn Sie auch wollen, dass ihre Lieblinge gesund bleiben, müssen sie geimpft werden.

Die Eingewöhnung muss genau beobachtet werden. Die richtige Eingewöhnung ist sehr wichtig, denn wenn sich erst einmal eine Abneigung gegen den Neuzugang entwickelt hat, ist diese recht schwierig und oftmals nur durch eine gezielte, zeitaufwendige Verhaltenstherapie wieder abzubauen. Der Halter muss die Katzen daher genau beobachten. Verschlechtert sich die Stimmung, muss die Distanz der Katzen zueinander erhöht werden. Mit Spiel, Streicheln oder Leckerchen kann oft abgelenkt und vermittelt werden. Katzen sind territoriale Tiere, und die alteingesessene Katze wird ihr Revier verteidigen. Mit der richtigen Vorbereitung und Einführung jedoch kann der Schock abgemildert werden. Die bisherige Katze darf sich nicht zurückgesetzt fühlen und Eifersucht entwickeln, aber auch der neuen Katze muss trotzdem ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt und alles gezeigt werden, damit sie sich in ihrem neuen Heim wohl fühlen kann.

Es ist nicht ganz leicht, einer bisher allein lebenden Wohnungskatze eine zweite Katze zur Seite zu stellen. Es bietet sich jedoch an, da das Zusammenleben mit einem geeigneten Katzenpartner die artgemäße Beschäftigung in diesem Lebensraum viel besser gewährleistet als auschließliche Gesellschaft des Menschen. Für eine gelangweilte und einsame Katze ist eine zweite Katze genau das, was sie benötigt. Die Neue wird allerdings erst einmal als Eindringling betrachtet und selten so ohne weiteres hingenommen. Manche Katzen verteidigen dabei ihr Reich mit Krallen und Zähnen. Doch nach einigen harten Auseinandersetzungen arrangieren sich die Katzen meistens und leben ab dann friedlich zusammen. Es gibt jedoch auch Fälle, wo zwar Waffenstillstand herrscht, aber beide Katzen sich für immer fremd bleiben und keinen Bezug zueinander haben.

Tritt die neue Katze sehr selbstbewusst auf, kann das wiederum die alteingesessene, sensible Katze völlig verstören. Sie zieht sich zurück und leidet, und die Auswirkungen können von plötzlicher Stubenunreinheit über gesteigerte Aggressivität gegen jeden bis hin zu organischen Erkrankungen reichen. Natürlich kann aber auch die Katze mit den älteren Rechten einen verschüchterten Neuling so tyrannisieren, dass dieser die beschriebenen Reaktionen zeigt. Gegen den unerwünschten Neuling kann die andere Katze jedoch auch auf andere Art protestieren. Bereits eingespielte Regeln werden plötzlich ignoriert, die Nahrungsaufnahme wird verweigert, sie wird unsauber, um ihr Revier deutlich zur markieren oder sie zeigt andere Arten von Verhaltensauffälligkeiten. Wenn es zu ständigen Aggressionen und womöglich ernsten Verletzungen kommt, müssen die Katzen erst einmal getrennt voneinander gehalten werden. Die Desensibilisierung ist eine Gewöhnungstherapie und die einzige dauerhafte Lösung.

Manche Katzen trauern auch um einen verstorbenen Artgenossen und brauchen unter Umständen erst einmal eine Trauerzeit von bis zu einem Jahr, bevor sie bereit sind, eine neue Katze zu akzeptieren. Andere dagegen leben auf, wenn nach wenigen Monaten ein neuer Spielkamerad kommt. Genauso gibt es aber auch Katzen, die nach dem Tod der anderen Katze keine anderen Artgenossen mehr um sich haben wollen und sogar regelrecht aufblühen, da sich ihr Bewegungsspielraum in psychischer und räumlicher Hinsicht erweitert hat. Alter und Wesen der Katzen sollten natürlich gut zueinander passen. Das bedeutet, dass eine ältere Katze, die ihre Ruhe haben will, mit einem Kitten völlig überfordert und genervt wäre. Auch vom Charakter sollten die Katzen harmonisieren und nicht zu unterschiedlich sein. Es sollte auf jeden Fall mehrere Futterplätze und ausreichend Katzentoiletten geben. Die Faustregel besagt, eine Toilette mehr als Katzen vorhanden sind. Diese sollten möglichst auseinander liegend aufgestellt werden.

Soziale Katzen beschnuppern sich gegenseitig, rasen in spielerischer Verfolgungsjagd hintereinander her, reiben sich aneinander und unterstützen sich bei der Fellpflege. Aber auch Auseinandersetzungen gehören als fester Bestandteil dazu. In manchen Gruppen sind sie recht zahlreich und gelegentlich auch ziemlich heftig, in anderen wiederum selten und eher harmlos. Die Merkmale eines Kampfspiels sind, dass die Positionen, Körperhaltungen und Rollen immer wieder wechseln und es zu keinen Verletzungen kommt. Es kann auch eine Verfolgungsjagd daraus werden. Der Übergang vom eindeutigen Spiel zu aggressiven Formen ist dabei fließend und nicht immer leicht zu erkennen.

Auf kleinstem Raum und bei gleich bleibender Zusammensetzung bildet sich unter den Katzen unter Umständen eine feste Rangordnung heraus. Die Rangordnung bei der Mehrkatzenhaltung kann allerdings alles andere als stabil und dauerhaft sein, denn sie wird von unzähligen Faktoren, wie dem Zeit-Raum-System, das heisst, wer sich zu welcher Zeit in welchem Raum aufhalten darf, den sozialen Kontakten sowie der Persönlichkeit der einzelnen Katzen beinflusst. Aktive und extrovertierte Katzen sind immer selbstbewusste Katzen und damit einer passiveren oder weniger selbstsicheren, introvertierten Katze überlegen. Sie werden als dominant bezeichnet. Die Demonstrationen von Überlegenheit und aggessiven Interaktionen können aber auch überhand nehmen. Die passive, subdominante Katze wird dann, wo sie geht und steht belauert und ihr wird an ausweglosen Plätzen der Weg blockiert. Ein permanenter Angstzustand mit all seinen möglichen Symptomen kann dann bei der passiven Katze die Folge dieses Mobbings sein. In einem solchen Fall sollte auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, um wieder ein Gleichgewicht im Katzenhaushalt herzustellen.

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